Er-Rhiad
Etwa zehn Kilometer südlich der Hauptstadt Houmt Souk liegt die kleine jüdische Gemeinde Er-Rhiad. Der Ort hieß ursprünglich "Hara Seghira" und besitzt eines der bedeutendsten Heiligtümer der afrikanischen Juden – die Synagoge La Ghriba. Glaubt man einer Sage, soll dieses Gotteshaus in seinen Ursprüngen ca. 600 v. Chr. von Juden errichtet worden sein, nachdem diese durch Nebukadnezar aus Jerusalem vertrieben wurden. Sie ist damit das erste sakrale Gebäude auf der Insel. So wie auf Djerba gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen tunesischen Städten jüdische Gemeinden, die ganze Stadtviertel für sich in Anspruch nehmen konnten und friedlich mit der islamischen Bevölkerung zusammen lebten. Nach der Gründung des Staates Israel hatte sich diese Situation jedoch radikal geändert, woraufhin die meisten Juden in Tunesien nach Israel auswanderten. Heute leben noch knapp 1000 Juden auf Djerba.
Das heutige Gebäude der Synagoge La Ghriba stammt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Wie Ihnen vielleicht noch schmerzlich in Erinnerung ist, wurde im Jahre 2002 ein verheerender Anschlag auf das Gotteshaus verübt, bei dem 21 Touristen zu Tode kamen. Um diese Tragödie möglichst schnell vergessen zu machen, setzten die tunesischen Behörden alles daran, die Synagoge rasch wieder aufzubauen und die Spuren des Unglücks zu beseitigen. So zeigt La Ghriba seinen Besuchern heute wieder ein glanzvolles Innenleben mit üppigen Holzschnitzereien und Verzierungen aus farbenfrohem Majolikaschmuck.
Neben der Synagoge selbst ist auch die darin befindliche Thora-Rolle ein ganz besonderes Heiligtum, sie wird zu den ältesten erhaltenen ihrer Art auf der Welt gezählt. Besonders an jüdischen Festtagen strömen Hunderte Pilger aus ganz Afrika nach La Ghriba. Jeweils am Tag des Passahfestes werden Schrifttafeln mit göttlichen Geboten durch den ganzen Ort getragen.
Für Besucher steht die Synagoge Sonntag bis Donnerstag von 9.30 Uhr bis 17.00 offen, an Freitagen nur vormittags. Vor dem Betreten sind die Schuhe auszuziehen, nach dem Besuch wird ein kleiner Obolus erwartet, der zur Erhaltung der Einrichtung verwendet werden soll.